Webpräsenzen sind häufig nur "Prospekte im Internet"
Es fehlen die richtigen Informationen
In den Unternehmen fehlen konkrete Beurteilungskriterien für eine marketinggerechte Erstellung ihrer Webpräsenz, die Vorteile der Webstandards werden nicht erkannt. Und die meisten Webseiten-Ersteller konzentrieren sich lediglich darauf, die Optik einer Webpräsenz möglichst prospektgerecht und im besten Falle browserübergreifend richtig anzupassen. Mit Seiten im Internet wird häufig umgegangen als seien diese virtuelles “Prospekt-Papier”. Dabei spielt es meist keine Rolle, ob die Webpräsenz vom Informatikstudent oder von einer etablierten Werbe- oder Webagentur erstellt wurde.
Die Folge: Nette und ansprechende Seiten, die ihr Ziel nicht oder ungenügend erfüllen.
Optimierungspotentiale in Ihrer Webpräsenz erkennen und nutzen
Hohe Reichweite, schnelle Ladezeiten, optimale Benutzerführung und die bestmögliche Vorbereitung der Webseiten auf die Indexierung durch Suchmaschinen sind einige der Punkte, die zum Webmarketing gehören und bereits bei der Erstellung der Webpräsenz zu berücksichtigen sind. Hohe Folgekosten werden am ehesten vermieden, wenn die Internetpräsenz barrierefrei nach den aktuellen Webstandards erstellt wird.
Darauf sollten Sie achten:
1. Die korrekte Angabe der Doctype
Im Quelltext der Datei finden Sie gleich am Anfang die Angabe, wie das Dokument bei Aufruf durch den Browser, Screenreader oder anderer Zugangssoftware gerendert werden soll, das heißt, nach welchen Regeln die Webseite übermittelt wird. Bei dieser Webseite zum Beispiel finden Sie folgende Doctype Angabe:
<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN"
"http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd">
Diese Seite wird also nach dem W3C-Standard XHTML 1.0 Strict ausgegeben. Das W3C entwickelt weltweit die Standards für das Internet.
Fehlt die Doctype (kurz: DTD) ganz – Sie sehen im Quelltext nur die Angabe <html> -, ist diese fehlerhaft oder unvollständig (der Verweis auf die anzuwendende DTD fehlt), tritt die eigene “Übersetzung” der Zugangssoftware an die Stelle des W3C-Standards. Das kann zu erheblichen Unterschieden in der Darstellung auf unterschiedlichen Ausgabemedien führen: Webseiten, die zum Beispiel im Internet Explorer wunderbar aussehen, sind vielleicht im Netscape-Browser nicht benutzbar. Die Reichweite der Webpräsenz wird eingeschränkt oder ein erhöhter Entwicklungsaufwand ist notwendig, um die Darstellung medienspezifisch anzupassen.
Die Angabe einer Doctype ist Voraussetzung, um den Code nach den W3C-Standards zu validieren. Warum das Kosten spart, lesen Sie im nächsten Abschnitt.
2. Valider Code nach W3C-Standard
Browser “tolerieren” fehlerhaften (X)HTML-Code teilweise in hohem Maße – hier ist besonders der Internet Explorer zu erwähnen – und zeigen die Webseiten wie beabsichtigt an beziehungsweise lesen diese vor (Screenreader). Schade nur, dass jeder Browser und jedes Medium seine Eigenheiten hat und nicht den selben Fehlern gegenüber tolerant ist.
Fakt ist, dass die Browserhersteller auch die W3C-Standards höchst eigenwillig interpretieren bzw. implementieren und valider Code allein nicht ausreicht, um zum Beispiel den Box-Model-Bug des Internet Explorers auszugleichen. Fakt ist aber auch, dass der Aufwand für medienübergreifende Optimierung bedeutend niedriger anzusetzen ist, wenn der Code nach W3C-Standard validiert wird. Außerdem wird damit vermieden, dass die Webseiten in einigen Browsern überhaupt nicht angezeigt werden.
Hinzu kommt, dass (X)HTML-Code ohne Angabe einer Doctype rückwärtskompatibel gerendert wird und bei jeder neuen Browserversion mit notwendigen Anpassungen für die Webpräsenz gerechnet werden muss. Der Trend zeigt, dass die Browserhersteller sich bei neueren Versionen enger an den Standards orientieren. Automatische Fehlerkorrekturen werden einfach fallen gelassen. Die Validierung nach Webstandards ist damit vorausschauende Verminderung von Folgekosten.
3. CSS-Design zur Trennung von Content und Layout
Bevor CSS weit genug entwickelt und in der Mehrzahl der Browser integriert war, blieb den Webdesignern nichts anderes übrig, als Tabellen zu verwenden, die eigentlich für die Darstellung tabellarischer Daten gedacht sind. Diese Technik ist mittlerweile überholt. Mit Cascading Style Sheets lassen sich nicht nur zentral Schriftformatierungen vornehmen, sondern das Layout der gesamten Webpräsenz kann von einer oder wenigen CSS-Dateien gestaltet und verwaltet werden. Vorbei sind die Zeiten, da jede Änderung am Aussehen der Webpräsenz die Überarbeitung aller Webseiten einzeln zur Folge hatte.
Liest sich der Quellcode Ihrer Webseiten seitenlang ähnlich wie folgendes Beispiel …
<table>
<tr>
<td class="header">Herzlich Willkommen auf unseren Seiten!</td>
</tr>
<tr>
<td>Wir zeigen Ihnen, wie Sie am besten ...</td>
</tr>
</table>
statt:
<div>
<h1>Webdesign mit Webstandards</h1>
<p>Auf die Vorteile, die Ihnen Webstandards bieten, werden auch Sie ...</p>
</div>
Dann sind auch Ihre Webseiten als tabellenbasiertes Layout geschrieben. Viele Vorteile der Webstandards entgehen Ihnen, zum Beispiel ein wesentlich schlankerer Code und damit schnellere Ladezeiten für Ihre Webseiten. Das spart Bedarf an Bandbreite und bedeutet einen höheren Komfort für die Nutzer Ihrer Webpräsenz.
4. Semantische Strukturierung der Webdokumente
Sie mögen vielleicht auf Ihren Webseiten als Überschriften erkennbare Textabschnitte sehen. Die Frage ist: Sind diese auch im Quelltext als Überschriften erkennbar? Eine Überschrift der ersten Ordnung wird mit <h1> gekennzeichnet, ein Textabsatz mit <p>. Fehlen diese Auszeichnungen ganz oder teilweise ist das Dokument zum Beispiel im Screenreader nur schwer überschaubar. Suchmaschinen bewerten Überschriften (h1 – h6) anders als normalen Text, das Ranking Ihrer Internetpräsenz könnte also durchaus besser sein, falls bei Ihren Webseiten kein Wert auf semantische Strukturierung gelegt wurde.
Eine gute Benutzerführung mit intuitiver Navigation (bei umfangreichen Webpräsenzen die Möglichkeit alternativer Herangehensweisen, um die gesuchten Informationen zu finden) und die Vermeidung von Kommunikationsabrissen sind ebenfalls wichtig, aber nicht so leicht zu verifizieren wie die oben genannten Punkte.
